HEUTE: Freiheitsbegriff und ästhetische Erfahrung bei Adorno

Freiheitsbegriff und ästhetische Erfahrung bei Adorno
Vortrag und Diskussion mit Dr. Gerhard Scheit

Wann?    Dienstag, 04.06.2013, 19:30 Uhr
Wo?         Club Courage, Friedensstraße 42

Adorno fügte dem Ausdruck Erfahrung ein Epitheton hinzu, das sie als unreglementierte oder ungegängelte charakterisiert. Es wird damit einerseits dem Kantschen Begriff als philosophischem Reglement des Intelligiblen widersprochen, andererseits der genau entgegengesetzten Vorstellung, wonach Erfahrung in Spontaneität aufginge, sodass sie kraft ihres Ursprungs im „Leibhaften“ gegenüber der Gängelung schon autonom wäre.
Dieser doppelte Widerspruch, der von seinen Adepten immer zugunsten einer Seite aufgelöst wird, ist Adornos Begriff von der Sache – während der Jargon, der ihn imitiert, Erfahrung durch Idiosynkrasien ersetzt, um letztlich, was zur Urteilskraft werden könnte, dem Reglement des Geschmacks, dem Feuilleton, oder der Gängelung als Therapie, der Sachbuch-Psychologie Marke Selbsterfahrung, anheimzugeben. So spontan sie sei, setzt Erfahrung im Unterschied zur Idiosynkrasie immer schon voraus, dass ein Bewusstsein, eine Freiheit, da sein muss, sie auch zu machen, und zwar im Angesicht des Reglements. Sie reflektiert damit contre cœur auf die „Vorgängigkeit der von den einzelnen Menschen und ihrem Verhältnis abgelösten, abstrakt rationalen Beziehungen, die am Tausch ihr Modell haben“.

Zum Referenten: Gerhard Scheit, Dr. phil., lebt als freier Autor in Wien; studierte Musik, Philosophie und Theaterwissenschaft in Wien und Berlin. Arbeiten zur Kritischen Theorie, über den Souverän und die Ästhetik in der Moderne; Mitherausgeber der Jean Améry Werkausgabe und der Zeitschrift sans phrase. Bücher u. a.: Verborgener Staat, lebendiges Geld. Zur Dramaturgie des Antisemitismus (1999); Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt (2004); Quälbarer Leib. Kritik der Gesellschaft nach Adorno (2011).

Die weiteren Veranstaltungen aus der Reihe des AK Kritische Theorie findet ihr auf der Homepage: http://akkritischetheorie.wordpress.com/2013/05/12/engagement-desengagement/

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