Solidaritätserklärung der Fachschaft Politikwissenschaft

Solidaritätserklärung der Fachschaft Politikwissenschaft
Für den Erhalt der Soziologie an der Universität Münster

Neben vielen anderen UnterstützerInnen möchte auch die Fachschaft Politikwissenschaft ihre Solidarität mit der Fachschaft Soziologie und dem Institut für Soziologie bekunden, die für den Erhalt der Soziologie an der Universität Münster kämpfen.

 

Wir halten es für untragbar, dass die Existenz des Faches Soziologie durch Ankündigung des Rektorates, zwei weitere ProfessorInnenstellen zu streichen, bedroht ist. Die Soziologie hat sich zur Aufgabe gesetzt, soziales Handeln zu verstehen und zu erklären. Dazu gehört auch, die Strukturen des Handelns sowie die Normen und Werte der Institutionen einer Gesellschaft zu betrachten. Soziologie ist somit auch immer eine (herrschafts)kritische Wissenschaft, da sie die selbstverständlich gewordenen Regeln der Gesellschaft und ihrer Institutionen durchleuchtet und hinterfragt.
Der drohende Abbau des Faches legt den Schluss nahe, dass Kritik in dieser Form nicht länger als erforderlich angesehen wird oder erwünscht ist. Die drohende (quasi) Stilllegung der Soziologie an der WWU „passt in die gegenwärtige Hochschullandschaft, die mehr von der Unternehmensberater-Kultur der Bertelsmann-Stiftung bestimmt wird, als von Vernunft und Sachverstand.“ (Siegfried Weischenberg in seiner Stellungnahme)
Dabei verfolgt die Soziologie der WWU ohnehin in den letzten Jahren das (durchaus kontrovers zu diskutierende) Ziel, Kenntnisse und Wissensbestände zu vermitteln, die (nach Angaben des Instituts) „die Basis für eine arbeitsmarktrelevante Verwertung nach dem Studium darstellen“. Andere Studienfächer scheinen jedoch noch arbeitsmarktrelevantere Kenntnisse zu vermitteln und daher unterstützenswerter (oder exzellenter?) zu sein.

 

Dabei greifen andere Wissenschaften häufig und gerne auf soziologisches Wissen zurück. So lernen die Studierenden im Grundkurs der Politikwissenschaft an der WWU, Politik mit den Worten von Max Weber zu definieren; und den Studierenden der Kommunikationswissenschaft an der WWU dürfte die systemtheoretische „Färbung“ ihres Faches á la Niklas Luhmann nur allzu bekannt sein.

 

Die Frage lautet also, wo die Exzellenz bleibt, wenn ein Fach wie die Soziologie an der WWU quasi verschwinden muss.
Nicht zuletzt bleibt die Anmerkung, dass die bald anstehenden Studiengebühren doch eigentlich zu einer Verbesserung der Lehre beitragen wollten – das gilt wohl ganz sicher nicht für die Soziologie an der WWU. Dabei kennen Studierende der Soziologie nur zu Genüge völlig überfüllte Räume, in denen sie keinen Sitzplatz bekommen. Regelmäßig ziehen Seminare aus den Seminarräumen wegen der großen TeilnehmerInnenzahl in große Hörsäle um, in denen kaum adäquate Diskussionen stattfinden werden. Zudem hat sich die Praktik der Lehrenden, Seminare von vorn herein auf bestimmte TeilnehmerInnenzahlen zu begrenzen, leider immer stärker durchgesetzt, so dass Viele ohne den gewünschten Seminarplatz nach Hause gehen mussten. Wie der Lehrbetrieb in Zukunft mit noch weniger Personal aufrechterhalten werden soll, ist kaum vorstellbar.

 

Die Fachschaft Politikwissenschaft schließt sich aus diesen Gründen der Forderung des Institutes für Soziologie und der Fachschaft Soziologie an. Auch wir fordern die „Rückgabe gestrichener ProfessorInnen- und MitarbeiterInnen-Stellen sowie ein Ende des Abbaus des Faches Soziologie in Münster“.

 

Für ein eigenständiges soziologisches Institut, an dem kritische soziologische Lehre und Forschung möglich ist.

 

Die Fachschaft Politikwissenschaft der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster

 

Und hier die Solidaritätserklärung Fachschaft Politikwissenschaft als PDF

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